Wenn die Verhütung versagt: Alles Wichtige zur Pille danach

Zwei Hände halten eine Blisterpackung mit einer einzelnen Tablette.

Kondom gerissen, Pille vergessen oder im Moment einfach nicht aufgepasst

Eine Verhütungspanne sorgt sofort für Herzklopfen. Plötzlich schiessen unzählige Fragen durch den Kopf – von „Muss ich mir jetzt Sorgen machen?“ bis „Was kann ich sofort tun?“. Die wichtigste Nachricht vorweg: Keine Panik. Der Zeitfaktor ist zwar entscheidend, aber es gibt verlässliche Lösungen. Wir beraten Sie gerne und diskret.

Notfallverhütung: Was ist die Pille danach?

Die Pille danach ist ein hormonhaltiges Medikament zur Notfallverhütung (= Notfallkontrazeption). Sie wird nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder nach Versagen des Verhütungsmittels von der betroffenen Frau eingenommen, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

In der Schweiz stehen dafür zwei Wirkstoffe zur Verfügung:

Levonorgestrel 1,5 mg, beispielsweise in NorLevo® , Levonesse® und Levonorgestrel Sandoz®

Ulipristalacetat 30 mg, beispielsweise in ellaOne® , Ullanesse® und Ulipristal Sandoz®

Beide Präparate werden normalerweise als Einzeldosis eingenommen. Sie unterscheiden sich jedoch unter anderem darin, wie lange nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr sie angewendet werden können. Levonorgestrel ist bis maximal 72 Stunden (3 Tage) zugelassen, Ulipristalacetat bis maximal 120 Stunden (5 Tage).

 

Dabei gilt: Die maximale Zeitspanne sollte nicht als «Wartezeit» verstanden werden. Die Pille danach sollte sobald als möglich eingenommen werden.

Wann wird die Pille danach angewendet?

Eine Notfallverhütung kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn

  • das Kondom gerissen oder abgerutscht ist,
  • die Pille vergessen wurde (eine oder mehrere Tabletten),
  • die Verhütung nicht korrekt angewendet wurde,
  • eine andere Verhütungsmethode versagt hat oder
  • ungeschützter Geschlechtsverkehr stattgefunden hat.

Auch nach sexualisierter Gewalt (z.B. Vergewaltigung) kann eine Notfallverhütung eine wichtige Möglichkeit sein.

Die Pille danach hat jedoch auch ihre Grenzen!

Die Pille danach ist keine reguläre Verhütungsmethode, sondern für Notfallsituationen gedacht.

Sie wirkt nur für den zurückliegenden Vorfall und bietet keinen langanhaltenden Schutz. Das bedeutet, sie schützt nicht vor einer Schwangerschaft bei einem weiteren ungeschützten Geschlechtsverkehr im selben Zyklus. Daher muss nach einer Einnahme (weiterhin) verhütet werden.

Nach dem Eisprung wirkt sie nicht mehr.

Bei einem positiven Schwangerschaftstest wird die Pille danach nicht eingesetzt, denn sie wirkt nicht abtreibend.

Sie schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Wie wirkt die Pille danach?

Die Pille danach hemmt und/oder verzögert den Eisprung.

Normalerweise überleben Spermien 5 Tage im Körper und das Ei ist nach dem Eisprung während 24 Stunden befruchtbar. Das ergibt eine fruchtbare Phase von ca. 6 Tagen. Die Pille danach soll den Eisprung verschieben, damit die Spermien das Ei nie treffen und es somit nicht befruchten können.

Der Wirkmechanismus: Zeit gewinnen im Zyklus

Der Wirkstoff der Pille danach stört den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH), welches für die Eireifung zuständig ist. So werden die Eireifung und der Eisprung mehrere Tage hinausgezögert. Die Spermien sterben innert 5 Tagen und der Eisprung findet erst später statt, wodurch eine Befruchtung nicht mehr möglich ist, weil sich Spermien und Eizelle nie treffen.

Entscheidend ist deshalb der Zeitpunkt im Zyklus. Je schneller nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr die Pille danach eingenommen wird, desto zuverlässiger wirkt sie. Wieso? Weil die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen Geschlechtsverkehr und Einnahme der Pille danach der Eisprung stattfindet, kleiner ist.

Hat der Eisprung bereits stattgefunden, können die hormonellen Notfallverhütungsmittel eine Schwangerschaft nicht mehr zuverlässig verhindern.

Wichtig: Die Pille danach ist keine Abtreibungspille. Sie beendet keine bestehende Schwangerschaft und hat keinen Einfluss auf eine bereits eingenistete Schwangerschaft.

Welcher Wirkstoff in der jeweiligen Situation geeignet ist, hängt unter anderem vom Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs, vom Zyklus und von weiteren Faktoren wie anderen Medikamenten ab. Genau deshalb ist das Beratungsgespräch in der Apotheke so wichtig.

Wo erhalte ich die Pille danach?

Die Pille danach ist in der Schweiz in Apotheken , Fachstellen für sexuelle Gesundheit und bei Ärztinnen und Ärzten erhältlich.

Diese Gesundheitsfachpersonen führen ein Beratungsgespräch und helfen Ihnen, die für Ihre Situation am besten geeignete Methode auszuwählen. Die Pille danach ist ohne ärztliches Rezept erhältlich, auch für Jugendliche unter 16 Jahren.

Diese Apotheken bieten die Pille danach an.

Es ist Nacht, Sonntag oder Feiertag und alles ist geschlossen? Wenden Sie sich an eine der folgenden Notfallapotheken im Aargau:

Apotheke Tag und Nacht beim Kantonsspital Baden (rund um die Uhr)

Apotheke Süssbach in Brugg (Öffnungszeiten prüfen)

Apotheke im Spital Aarau (rund um die Uhr)

Der Ablauf in der Apotheke: Schnell, diskret, unkompliziert

Der Prozess ist unkompliziert. Viele Frauen sind vor dem Gang in die Apotheke etwas nervös, das ist verständlich. Dabei ist die Beratung ein ganz normaler Bestandteil unserer pharmazeutischen Betreuung – und sie findet diskret und wertungsfrei statt.

Akkordeon

Sagen Sie einfach, dass Sie die Pille danach benötigen. Sie müssen Ihre Situation nicht vor anderen Kundinnen und Kunden schildern. Für die Beratung wird der Beratungsraum (oder ein anderer geschützter Bereich) genutzt, um Diskretion zu gewährleisten. Wenn Sie es wünschen, darf eine Begleitperson dabei sein.

Diese Fragen helfen dabei, einzuschätzen, ob eine Notfallverhütung sinnvoll ist und welcher Wirkstoff am besten geeignet ist. Jede dieser Fragen hat einen konkreten Grund und sie haben nichts mit Neugierde zu tun (die Begründungen finden Sie im Formular in kleiner Schrift unterhalb der Punkte 1-8).

Ausserdem haben Sie die Möglichkeit, eine vertiefte Beratung über diverse Themen zu erhalten (gewünschtes Thema auf dem Formular ankreuzen).

Es muss Ihnen nichts peinlich sein und Sie können offen und ehrlich sprechen. Wir sind an die berufliche Schweigepflicht gebunden und Ihr Anliegen ist bei uns in guten Händen. Das Gespräch ist vertrauensvoll und wertungsfrei.

Der/die Apotheker/in erklärt Ihnen, welche Option der Notfallverhütung in der aktuellen Situation für Sie geeignet ist. Nebst der Pille danach gibt es auch die Möglichkeit der Kupferspirale, welche jedoch einen Arztbesuch und einen Eingriff erfordert.

Sollte eine Kupferspirale für Sie keine Option sein und kommen beide Pille-danach-Wirkstoffe in Frage, so werden Sie in die Entscheidungsfindung miteinbezogen. Sie entscheiden, ob Sie die Pille danach einnehmen möchten oder nicht und Ihre Selbstbestimmung wird respektiert.

Die Pille danach wird möglichst rasch nach der Beratung eingenommen. Die Einnahme ist unabhängig von Mahlzeiten, es spielt also keine Rolle, ob Sie vorher gegessen haben oder nachher noch essen werden. Falls Sie es wünschen, können Sie den Packungszettel behalten.

Tipp: Schauen Sie auf die Uhrzeit der Einnahme.

Dazu gehören was bei der weiteren Verhütung zu beachten ist, mögliche Nebenwirkungen (z.B. Erbrechen), sowie die Frage, was zu tun ist, wenn die nächste Menstruation ausbleibt.

Sollten Sie innert 3 Stunden nach der Einnahme erbrechen, so ist eine erneute Einnahme empfohlen, um die Wirkstoffaufnahme im Körper sicherzustellen.

Tipp: Nehmen Sie den Kassenzettel mit. So haben Sie die Telefonnummer der Apotheke und eine Ansprechperson, falls im Nachhinein noch eine Frage auftaucht (und die Uhrzeit, falls Sie sich diese zuvor nicht gemerkt haben).

Und was passiert danach?

Die nächste Menstruation kann etwas früher oder bis 3 Wochen später als erwartet eintreten. Bleibt die Blutung während 3 Wochen nach der Einnahme der Pille danach aus oder ist sie ungewöhnlich, empfiehlt sich ein Schwangerschaftstest. Ist dieser positiv, vereinbaren Sie einen Termin bei ihrem Frauenarzt.

Die Notfallverhütung bietet keinen Schutz für den restlichen Zyklus. Nach der Einnahme kann deshalb eine Schwangerschaft entstehen, wenn ungeschützter Geschlechtsverkehr stattfindet. Eine zuverlässige Verhütung ist daher unerlässlich.

Das Protokoll wird aufbewahrt. Sollten Sie später eine Rückfrage haben, melden Sie sich in Ihrer Apotheke. Dank Ihrer Angaben können wir, falls nötig, das zugehörige Protokoll identifizieren und offene Fragen klären. Ansonsten gilt für uns wie immer die berufliche Schweigepflicht!

Notfallverhütung in der Apotheke: Ein Thema im gesellschaftlichen und politischen Fokus

Kritisiert wird das «obligatorische Gespräch über intime Details». Das Formular und das Gespräch seien für Frauen eine Hürde und würden abschreckend wirken. Ausserdem sei das Thema mit Scham behaftet.

Befürworter des begleiteten Ablaufs betonen, das Formular sei zur Gewährleistung der Patientinnensicherheit und diene dem Schutz der Anwenderin. Das Beratungsgespräch soll keine Hemmschwelle sein, sondern sicherstellen, dass das beste geeignete Notfallkontrazeptivum abgegeben wird.

Um dies zu unterstreichen, hat man das bisherige Protokoll entsprechend überarbeitet.

Updated

Das Abgabeprotokoll – neu überarbeitet!

Das überarbeitete Abgabeprotokoll entspricht den aktuellen gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich Selbstbestimmung, Respekt und stützt sich auf die Ergebnisse einer aktuellen Schweizer Studie über die Abgabe der Pille danach in der Apotheke . Laut dieser Studie waren 91 % der befragten Frauen sehr dankbar für die professionelle Beratung.

Die Anpassungen (einfacherer Wortlaut und zusätzliche Hinweise) erlauben es der Kundin, den ersten Teil des Protokolls selber auszufüllen. Das erleichtert das Gespräch, stärkt die Diskretion und gewährt trotzdem die hochwertige Qualität der pharmazeutischen Betreuung.

Die Frauen erhalten ausserdem die Möglichkeit, in sicherem Rahmen Fragen zu bestimmten Themen zu stellen, die sie auf dem Protokoll ankreuzen können.

Mit diesem Beratungsleitfaden bieten wir Ihnen weit mehr als reine Information: Wir schenken Orientierung und Vertrauen – professionell, neutral und auf Augenhöhe.

Unser Fazit

Die Pille danach ist eine schnelle Möglichkeit der Notfallverhütung, wenn etwas mit der Verhütung schiefgegangen ist. Sie ist in der Schweiz ohne ärztliches Rezept in Apotheken erhältlich. Der Zugang ist bewusst mit einer persönlichen Beratung verbunden: Denn je nach Situation, Zeitpunkt im Zyklus, Medikamenten und weiteren Faktoren kann die passende Notfallverhütung unterschiedlich aussehen.

Und vielleicht das Wichtigste: Es gibt keinen Grund, sich für die Situation zu schämen. In der Apotheke sind solche Fragen Teil unseres Berufsalltags. Wir nehmen uns Zeit, hören zu und beraten Sie diskret, vertraulich – in Baden und Dättwil.

Unsicher bezüglich der Notfallverhütung? Kommen Sie zeitnah in unserer Apotheke vorbei – wir unterstützen Sie schnell und unkompliziert.

Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen.

Ihr Apotheke Wyss Team

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