Eisenmangel erkennen: Symptome, Ursachen und Behandlung
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Eisenmangel und durch Eisenmangel verursachte Blutarmut (Anämie) zählen laut WHO weltweit zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen.
Betroffen sind vor allem Kinder unter fünf Jahren, Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere. Auch Senioren und Leistungssportler zählen zu den Risikogruppen.
Warum brauchen wir Eisen?
Eisen gehört zu den Spurenelementen. Im Körper ist es ein wichtiger Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin der roten Blutkörperchen sowie des Muskelfarbstoffes Myoglobin. Es ist unter anderem an folgenden Aufgaben beteiligt:
- Blutbildung
- Sauerstofftransport zu den Organen mittels Hämoglobin der roten Blutkörperchen
- Sauerstoffspeicher im Muskel mittels Myoglobin
- Bildung von DNA (Erbinformation)
- Energiegewinnung der Körperzellen (Atmungskette)
- Bildung von Steroid- und Schilddrüsenhormonen
- Ausbildung des Immunsystems
Wie gelangt das Eisen dorthin, wo es gebraucht wird?
Der Eisenstoffwechsel ist komplex, zahlreiche Proteine (Eiweisse) sind daran beteiligt, die für die Zellen nötige Eisenmenge bereitzustellen, bzw. eine Überladung der Zellen mit Eisen zu verhindern.
Vom Dünndarm ins Blut: So wird Eisen aufgenommen
Die Eisenaufnahme aus der Nahrung erfolgt in die Zellen des Dünndarms in Form des zweiwertigen Eisens (chemische Form, dreiwertiges Eisen muss zuerst umgewandelt werden). Ein spezielles Protein (Ferroportin) ermöglicht die Abgabe des Eisens ins Blut. Sein Gegenspieler ist das in der Leber gebildete Protein «Hepcidin». Es verhindert bei zu hohen Eisenspiegeln die Eisenaufnahme ins Blut.
Im Blut wird Eisen an ein Transportprotein (Transferrin) gebunden transportiert und so für die Aufnahme in die Eisen-verwertenden Zellen «aktiviert».
Nicht benötigtes Eisen wird als Ferritin in den Zellen der Darmschleimhaut, der Leber und Milz und im Knochenmark gespeichert. Das Serum-Ferritin gilt als Marker für den gesamten Eisenspeicher des Körpers.
Wie äussert sich ein Eisenmangel?
Eisenmangel führt letztendlich zu einer Eisenmangelanämie (Blutarmut, Verminderung der Hämoglobinkonzentration im Blut unterhalb der entsprechenden Altersnorm). Der Körper verfügt über zu wenig Eisen, sodass er den roten Blutfarbstoff Hämoglobin in den roten Blutkörperchen nicht in ausreichender Menge bilden kann. Folge ist eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Körpers, die sich auf vielfältige Weise äussern kann:
- Kurzatmigkeit, Erschöpfung, Leistungsminderung
- Schlafstörungen
- Konzentrationsstörungen
- Schwindel, Kopfschmerzen
- Infektanfälligkeit
- Haarausfall, brüchige Nägel, blasse Haut
- Rhagaden (Hauteinrisse), Aphten
- Verdauungsstörungen, Übelkeit
- Restless-Legs- Syndrom
- Bei langanhaltendem schwerem Mangel gravierende Folgen wie Angina pectoris, Niereninsuffizienz, beschleunigte Atmung und erhöhter Herzschlag zum Ausgleich der Sauerstoffunterversorgung, Herzinsuffizienz
Wie entsteht ein Eisenmangel?
Die Ursachen für einen Eisenmangel sind vielfältig. Meist lässt sich das Defizit auf drei Hauptgründe zurückführen:
Akkordeon
Zu einem Eisenmangel durch Blutverlust kommt es typischerweise in folgenden Situationen:
- Starke Regelblutungen
- Operationen, Geburt
- Hochleistungssport
- Regelmässiges Blutspenden
- Magen-, Darmgeschwüre
- Einnahme bestimmter Medikamente wie Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmer, Salicylate, Kortikosteroide, nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Ibuprofen, Diclofenac)
In bestimmten Lebensphasen und Situationen benötigt der Körper besonders viel Eisen. Dazu zählen vor allem:
- Schwangerschaft, Stillzeit, Wochenbett
- Wachstumsphasen (Kinder unter 5 Jahren, Adoleszenz)
- Exzessives Krafttraining
Die Eisenaufnahme im Körper kann durch verschiedene Faktoren, von der Ernährungsweise bis hin zu medizinischen Ursachen, beeinträchtigt sein. Typische Auslöser dafür sind:
- Unangepasste Zufuhr (Essstörungen, Senioren, Teenager, Armut)
- Vegetarische, vegane Ernährung
- Medikamente wie Protonenpumpenhemmer
- Chronisch entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
- Verminderte Aufnahme aus dem Darm, z.B. bei Zöliakie
- Bariatrische Operationen (Magenverkleinerung)
- Helicobacter-pylori-Infektion
Wie wird ein Eisenmangel festgestellt?
Um eine Anämie feststellen zu können, wird im Labor ein komplettes Blutbild erstellt (z.B. Hämoglobinkonzentration, Anzahl und Kennzahlen der roten Blutkörperchen, Hämatokrit, Anzahl Thrombozyten und Leukozyten).
Um einen Eisenmangel zu diagnostizieren, wird zusätzlich die Ferritinkonzentration (Speicherform des Eisens) bestimmt. Diese lässt beim Gesunden Rückschlüsse auf die Eisenreserven im Körper zu. Bei bestimmten entzündlichen Erkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa, Tumore, Infektionen) können jedoch keine Rückschlüsse gezogen werden, da hier die Ferritinwerte krankheitsbedingt erhöht sind. Hier müssen zusätzlich die Transferrinsättigung und das CRP (Entzündungsmarker) gemessen werden.
Welche Laborwerte lassen auf eine Eisenmangelanämie schliessen?
Ausser der Eisenmangelanämie gibt es noch andere Arten von Anämien (z.B. Folsäuremangel-Anämie, Vitamin B12-Mangel-Anämie). Ferritinwerte, die auf eine Eisenmangelanämie schliessen lassen können je nach Alter, Geschlecht und Labor abweichen.
In der Apotheke Wyss in Baden können Sie Ihren Eisenspeicher mit einer Ferritin-Messung prüfen lassen. Gerne dürfen Sie spontan vorbeikommen oder vorgängig einen Termin telefonisch, online vereinbaren.
Hämoglobin und Ferritin: Das verraten die einzelnen Blutwerte
Der Hämoglobinwert beträgt bei einem Mangel < 12g/dl (Frauen), bzw. <13g/dl (Männer). Wird ausschliesslich der Hämoglobinwert bestimmt, zeigt ein erniedrigter Wert bereits einen Eisenmangel verbunden mit einer Anämie an. Ein Speichereisenmangel liegt bereits bei erniedrigtem Ferritin (Speichereisen)-Wert und noch normalem Hämoglobin vor.
Wie kann einem Eisenmangel vorgebeugt werden?
Eine normale Mischkost versorgt den Körper täglich mit 10 bis 20 mg Eisen, wovon jedoch nur 10 bis 15% im Darm aufgenommen werden. Eisen aus tierischen Lebensmitteln (Hämeisen) wird vom Körper besser aufgenommen als Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln (Nicht-Hämeisen).
Ausserdem haben zahlreiche andere Nahrungsbestandteile und Medikamente Einfluss auf die Eisenaufnahme:
- Vitamin C und Fleisch verbessern die Aufnahme.
- Phytate (in Vollkorn, Hülsenfrüchten) und Oxalate (z.B. in Spinat, Rhabarber, Mangold), Phosphate (z.B. in Cola, Fertiggerichten) und Polyphenole (in Tee/Kaffee), Antazida und Protonenpumpenhemmer sowie Sojaproteine hemmen die Eisenaufnahme.
- Calcium, Magnesium, Zink, bestimmte Antibiotika (Tetracycline) und Biphosphonate (zur Osteoporosetherapie) hemmen die Eisenaufnahme und werden selbst in ihrer Wirkung abgeschwächt.
Eisenaufnahme leicht gemacht: So holen Sie das Beste aus Ihrer Ernährung heraus!
Durch geschickte Auswahl bzw. Kombination von Lebensmitteln lässt sich die Eisenaufnahme erhöhen:
- Eine fleisch- und fischhaltige Mahlzeit verbessert die Aufnahme.
- Bei einem vegetarischen Gericht verbessert Vitamin C die Eisenaufnahme. Besonders viel Vitamin C ist in Peperoni, Kohl, Kiwis, Beeren und Zitrusfrüchten enthalten.
Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) bietet hilfreiche Übersichten und Praxistipps, die Sie bei der Zusammenstellung eisenreicher Mahlzeiten unterstützen:
Wie wird ein Eisenmangel behandelt?
Neben der Behandlung der Ursache wird ein Eisenmangel zunächst mit Eisen-Tabletten behandelt. Die Einnahme ist jedoch nicht immer angenehm und führt häufig zu Nebenwirkungen wie Krämpfen, Verstopfung oder Durchfall und Übelkeit. Auch Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschläge können auftreten. Irritierend, aber unbedenklich sind eine Dunkelfärbung des Stuhls und ein metallischer Geschmack.
Die Eisenaufnahme aus dem Darm liegt bei ca. 5 bis 40%, daher werden die Dosen der Eisenpräparate relativ hoch (50 bis 200 mg pro Tag) gewählt. Zweiwertige Eisensalze sollten wegen der besseren Aufnahme bevorzugt werden. Vor allem bei hohen Dosen setzt der Körper als Schutz vor einem Eisenüberschuss Hepcidin frei, was die Eisenaufnahme verringert. Das nicht aufgenommene Eisen durchläuft die Darmpassage und führt zu den genannten Nebenwirkungen.
Tabletten, Tipps & Alternativen: So gelingt die Eisen-Therapie verträglich
- Einnahme der gesamten Tagesdosis nüchtern, d.h. ½ bis 2 Stunden vor einer Mahlzeit oder 2 Stunden danach.
- Einnahme bei manifestem Eisenmangel während 3 Monaten zur Auffüllung der Eisenspeicher und anschliessend Kontrolle des Ferritinwertes.
- Mind. 2 Stunden Abstand zu Medikamenten, Calcium-, Magnesium- und Aluminium-haltigen Präparaten.
- Bei starken Nebenwirkungen die Tabletten jeden zweiten Tag einnehmen (Verminderung der Nebenwirkungen um ca. 30 % und geringere Aktivierung von Hepcidin, daher sogar bessere Aufnahme des Eisens).
- Bei fehlender Besserung Einnahme vor dem Schlafengehen (Verschlafen der Nebenwirkungen).
- Bei Erfolglosigkeit Einnahme zu einer Mahlzeit (Inkaufnahme des Wirkverlustes).
- Bleiben alle oben genannten Massnahmen erfolglos, kann versuchsweise das Präparat gewechselt werden.
Helfen die genannten Strategien nicht, kann Eisen bei einem schweren Mangel in einer Infusion gegeben werden. Dies muss wegen möglicher Nebenwirkungen unter Überwachung in einer Arztpraxis erfolgen.
Allzu viel ist ungesund
In seltenen Fällen ist im menschlichen Körper zu viel Eisen vorhanden, man spricht dann von einer Eisenüberladung. Das überschüssige Eisen wird in Leber, Herz oder Bauchspeicheldrüse abgelagert und kann dort zu schwerwiegenden Organschäden führen. Eine Eisenüberladung kann genetisch bedingt sein, in diesem Fall sind die Regulationsmechanismen im Eisenstoffwechsel gestört (Hämochromatose). Eine erworbene Eisenüberladung entsteht beispielsweise durch wiederholte Bluttransfusionen, selten durch wiederholte Eiseninfusionen, Lebererkrankungen oder Krankheiten der Blutbildung. Die Erkrankung muss ärztlich z. B. mit Eisenbindern behandelt werden.
Vor diesem Hintergrund sollten Eltern daran denken, die vermeintlich harmlose Packung mit den Eisentabletten kindersicher aufzubewahren.
Fazit: Bringen Sie Ihre Energie zurück ins Leben!
Ein Eisenmangel kann die Lebensqualität massiv beeinflussen und schlimmstenfalls zu schwerwiegenden Organschäden führen. Bei Verdacht bzw. bei Risikogruppen sollte eine Labordiagnostik durchgeführt werden, um einen Eisenmangel rechtzeitig zu erkennen und zu therapieren. Leider ist die Einnahme von Eisenpräparaten häufig mit Nebenwirkungen verbunden, trotzdem ist eine Therapietreue wichtig, um den Mangel zu beheben.
Wir lassen Sie mit Nebenwirkungen und all Ihren Fragen nicht allein. Gemeinsam finden wir genau die Einnahme-Strategie, die zu Ihrem Alltag passt und Ihnen gut tut. Kommen Sie einfach bei uns am Standort in Baden oder Dättwil vorbei. Wir beraten und begleiten Sie gerne auf dem Weg zu mehr Energie – Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen.
Ihr Apotheke Wyss Team.
Literaturverzeichnis
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https://www.who.int/health-topics/anaemia#tab=tab_1
Schneider-Nowak H, Michiel S, Orale Eisentherapie: State of the Art oder ist weniger mehr?, Pharmakon, 2/25, 103 – 110
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Chmiel C, Beise U, Guideline Eisenmangel, medix, 2025
https://www.medix.ch/wissen/guidelines/eisenmangel/
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https://register.awmf.org/assets/guidelines/025-021l_S1_Eisenmangelanaemie_2021-11.pdf
Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V., Onkopedia Leitlinien: Eisenmangel und Eisenmangelanämie
Zeerleder S, Wie wird man zu viel Eisen im Blut wieder los?, Luzerner Kantonsspital, 2023
https://www.luks.ch/newsroom/wie-wird-man-zu-viel-eisen-im-blut-wieder-los