Wie Pflanzenkraft bei einer Blasenentzündung helfen kann
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Grüne Helfer: Wie Pflanzen der Blase den Rücken stärken
Ein Harnwegsinfekt ist vor allem bei Frauen ein häufiges und sehr lästiges Problem, das einer schnellen Linderung bedarf. Wie kann man versuchen, unkomplizierten Harnwegsinfekten vorzubeugen oder eine Antibiotikum-Therapie zu umgehen, um unnötigen Resistenzentwicklungen entgegenzuwirken?
Die Natur hat hierfür eine Vielzahl nützlicher Pflanzen zu bieten: eine ideale Alternative, wenn man Alarmsymptome und sogenannte «Red Flags» beachtet, die einen Arztbesuch nötig machen.
Harnwegsinfekt: Symptome erkennen und richtig behandeln
Eine Blasenentzündung äussert sich meist durch vermehrten Harndrang und Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen. Verursacht wird sie vornehmlich durch das Darmbakterium Escherichia Coli, das über die Harnröhre in die Blase aufsteigt und aufgrund des kürzeren Weges dorthin vor allem Frauen plagt.
Begünstigend wirken u.a. ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Veränderungen, eine falsche Intimpflege, vermehrte Zuckerausscheidung im Urin durch Diabetes und Medikamente oder Unterkühlung z.B. durch nasse Badehosen.
Eine Blasenentzündung ist schmerzvoll und einschränkend, schnelle Linderung ist dabei gefragt.
Dazu haben wir verschiedene Therapiemöglichkeiten, je nach Intensität und Verlauf:
- pflanzliche Arzneimittel zur Prävention, Durchspülung und Krampflösung mit antientzündlicher und antibakterieller Wirkung
- Zuckermoleküle (D-Mannose) gegen das Anhaften der Bakterien an der Blasenwand
- entzündungshemmende Schmerzmittel
- Antibiotika-Therapien
Wichtig ist jedoch, zuerst auf die sogenannten Warnsignale «Red Flags» zu achten, die einen Arztbesuch unumgänglich machen. Können diese ausgeschlossen werden, handelt es sich um einen unkomplizierten Harnwegsinfekt. In diesem Fall bieten pflanzliche Heilmittel eine sanfte Alternative. Viele dieser Ansätze bewähren sich schon seit Jahrhunderten – und ihre Wirkung wird heute zunehmend durch moderne wissenschaftliche Studien bestätigt.
«Red Flags»
Obwohl viele Blasenentzündungen unkompliziert verlaufen und gut mit pflanzlichen Mitteln therapiert werden können, ist bei bestimmten Risikogruppen oder Anzeichen besondere Vorsicht geboten. Bitte suchen Sie in den folgenden Fällen zeitnah eine Arztpraxis auf:
- Betroffene Männer, Kinder oder Schwangere
- Bestehende Vorerkrankungen wie Diabetes, Nieren- oder Herzinsuffizienz, Ödeme, Demenz, bei Immunsuppression.
- Nach kürzlichem Spitalaufenthalt.
- Letzter Harnwegsinfekt mit Antibiotikum-Therapie vor weniger als 2 Wochen.
- Blut im Urin oder starke Schmerzen.
- Keine Besserung der Selbstmedikation nach 3-4 Tagen.
Ein Notfall liegt vor bei
- Symptomen einer Nierenbeckenentzündung wie Fieber und Frösteln, Erbrechen, Flanken-Schmerzen.
- Blasenentzündung und bereits bekannten Nierensteinen.
Atypische Symptome – bitte beachten
- Wenn die betagte Mutter oder Grossmutter plötzlich verwirrt erscheint, kann die Ursache interessanterweise eine Blasenentzündung sein und muss abgeklärt werden. Oft werden die Symptome von der Betroffenen nicht oder zu spät empfunden.
Der schnellste Weg zu wichtigen Notfall-Kontakten und kompetenter, persönlicher Beratung.
Pflanzenkraft für die Blase: Natürlich stark gegen Infekte
Zur Vorbeugung oder bei einer einfachen Blasenentzündung ohne «Red Flags» haben wir wertvolle Pflanzen zur Verfügung. Da pflanzliche Arzneimittel immer Vielstoffgemische sind, kann man von einer Kombination aus harntreibendem, antibakteriellem, entzündungshemmendem und spasmolytischem Wirkspektrum profitieren, mit unterschiedlicher Gewichtung. In der folgenden Tabelle haben wir Ihnen eine Auswahl gängiger Arzneipflanzen zusammengestellt.
Sortiert nach Wirkung
| Wirkung | Arzneipflanzen |
|---|---|
| Harntreibend |
Ackerschachtelhalm (Zinnkraut) |
| Entzündungshemmend |
Goldrutenkraut |
| Antibakteriell |
Bärentraubenblätter |
| Antiadhäsion* |
Cranberryfrüchte |
| Spasmolytisch |
Engelwurz |
Blasenspülung aus der Natur: Tees und pflanzliche Arzneimittel
Im Vordergrund steht eine Durchspülungstherapie mit viel Flüssigkeit. Die eingesetzten Arzneipflanzen regen die Harnproduktion in der Niere an, ohne den Elektrolythaushalt wesentlich zu verändern und werden als Aquaretika bezeichnet. Dazu werden einzelne oder Kombinationen obiger Pflanzen als Tee oder Fertigarzneimittel eingesetzt.
Ausser Kapuzinerkresse, Meerrettich und Engelwurz sind alle in obiger Tabelle aufgeführten Pflanzen vom HMPC (Committe on Herbal Medicine Products) als traditionelles Arzneimittel eingestuft worden und besitzen eine Monographie, die ihre Anwendung und Wirksamkeit in Form von Tees oder Tinkturen beschreibt.
Kapuzinerkresse, Meerrettich und Engelwurz hingegen sind in der Schweiz in registrierten Fertigarzneimitteln enthalten.
Zubereitungsformen
Als Tee
Die Anwendung von Nieren-Blasen-Tees als Durchspülungstherapie ist althergebracht. Sie vereint die Wirkung der Pflanzen mit genügend Flüssigkeitszufuhr.
Man macht sich dabei die harntreibende, leicht antibakterielle und krampflösende Wirkung der Pflanzen zu Nutze und trinkt 3 bis 5 mal täglich 1 Tasse Tee, die man 5 Minuten ziehen lässt. Gängige Fertigmischungen oder Hausspezialitäten bestehen z.B. aus Birkenblättern, Brennesselblättern, Goldrutenkraut, Katzenbartblättern, Liebstöckel und Schachtelhalm in verschiedenen Kombinationen.
Ein interessantes Detail hierzu
Prof. Dr. rer. nat. Andreas Hensel, von der Universität Münster, erforscht mit Hingabe die Wirkung und Wirkstoffe verschiedenster Pflanzen und versucht, traditionelle Anwendungen wissenschaftlich zu ergründen und zu untermauern.
Im Zusammenhang mit Nieren-Blasentees hat er die traditionell angewandten Zusammensetzungen hinterfragt und dabei herausgefunden, dass sich die Wirkstoffe der Birkenblätter in wässrigen Zubereitungen allein nicht herauslösen, in Anwesenheit von Goldrute aber sehr wohl! Kombinationen von harntreibenden Pflanzen sind also wichtig und sinnvoll. Was traditionell schon lange so verwendet wird, konnte von ihm untermauert werden.
Als Tinkturen, Fertigarzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel
Die moderne Pflanzenheilkunde bietet hierzu eine breite Palette an: Ob als hochdosierte Tinktur, praktisches Fertigarzneimittel oder hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel – diese pflanzlichen Wirkstoffe und cleveren Kombinationen sind in verschiedenen Darreichungsformen in unseren Apotheken in Baden und Dättwil erhältlich. Kommen Sie vorbei – wir freuen uns Sie persönlich beraten zu dürfen.
Die passende Pflanze für Ihr Bedürfnis: Bewährte Kombinationen im Überblick
Je nachdem, welche Beschwerden im Vordergrund stehen, wählen wir in der Beratung das passende Präparat für Sie aus. Hier einige bewährte Beispiele aus der Praxis:
Akkordeon
Ein Präparat aus Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel wirkt in erster Linie antimikrobiell und bekämpft die Bakterien direkt.
Die Kombination aus Liebstöckelwurzel, Tausendgüldenkraut und Rosmarin wirkt vornehmlich entzündungshemmend, krampflösend und harntreibend.
Eine ähnliche Wirkung zeigt das Trio aus Bärentraubenblättern, Birkenblättern und Goldrutenkraut – perfekt dosiert in Form von Nieren-Blasen-Dragées.
Wenn die Blase einfach nicht zur Ruhe kommt, bietet Engelwurz eine spürbare Entlastung.
Produkte mit Cranberryfrüchten sind ideal präventiv oder ganz zu Beginn eines Infekts. Sie verhindern clever, dass sich Bakterien überhaupt erst an der Blasenwand festsetzen.
Beispiel einer Tinkturen-Mischung
bei chronischer Blasenentzündung nach Dr. Maja Oberholzer:
| Zutat | Menge |
|---|---|
| Brennessel-Urtinktur |
30 ml |
| Goldrute-Urtinktur |
10 ml |
| Kapuzinerkresse-Urtinktur |
10 ml |
Dosierung: 2-3x tägl. 20 Tropfen, im Akutfall steigern auf 5x tägl. 20 Tropfen.
Pflanzenkraft mit Köpfchen: Was Sie bei der Anwendung beachten sollten
Vorsicht geboten ist v.a. bei zwei Pflanzen, nämlich Wacholder und Bärentraube. Beide wirken harntreibend und antibakteriell, sollten aber wegen ihrer Inhaltsstoffe und ihrer nierenreizenden Wirkung nur kurzfristig eingenommen werden und sind in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Speziell die Bärentraube sollte nicht länger als 7 Tage am Stück und nicht häufiger als 5 mal pro Jahr Verwendung finden, da in höheren Dosen eine leberschädigende Wirkung und der Verdacht auf Kanzerogenität besteht.
Gute Besserung auf natürlichem Weg
Bei sachgemässer Verwendung lässt sich bei der Indikation einer einfachen Blasenentzündung viel mit Phytotherapie bewirken. Zusätzlich lindernd wirkt die Anwendung von Wärme in Form von Kräuter-Wickeln oder einer Bettflasche. Probieren Sie es aus!
Wir wünschen Ihnen einen wunderschönen und gesunden Sommer – Ihre Gesundheit liegt uns am Herzen.
Ihr Apotheke Wyss Team
Literatur
- pharmActuel Nr.01/2024
- Falch, Phytotherapeutika-Pflanzliche Arzneimittel, Phytocura, 9.2023
- SMGP-Kurs 6, 10.20161
- Hensel A., Arzneipflanzen gegen Infektionen, 38. Schweizerische Jahrestagung für Phytotherapie 2024